Venus im Pelz

 

(Sündhaftestes Vergehen: Zwei Tage vor Weihnachten hielt ihn nichts mehr zurück, sich dem Doppelleben zu stellen ... und sich in die Hände der Teufelin zu begeben ....)

 

Er war wieder ins Auto gestiegen, nachdem er einige Getränke gekauft hatte, und nahm einen kräftigen Schluck, als ihn irgend etwas trieb, noch ein paar Schritte zu gehen.

 

Die ganze letzte Woche war er zwar nicht einsam, doch mit einer ungeheuer aufgeladenen Sehnsucht am Meer entlang gelaufen, hatte die Promenaden absolviert, die Kais, die Weinstuben ..., und doch nicht gefunden, was er suchte.

Hier, im Halbdunkel der Großstadt, in einem Gebiet zwischen Supermärkten und Garagen, zwischen Baumärkten und Speditionen zog es ihn unwillkürlich an den Zäunen der kleineren Höfe entlang, an Zäunen, die eher Metallverschlägen glichen, aber liebevoll herausgeputzt waren. Er strich ganz nah daran hin, so als wollte er Lebenszeichen von jenseits der blechernen Mauern erlauschen...

 

Seine schwankend schleifende Schulter schob sich im Gehen sanft gegen die Bleche, bis der Widerstand plötzlich nachgab: Ein Tor öffnete sich einen Spalt breit. Überrascht blieb er stehen. In dem kleinen Ausschnitt leuchtete ihm ein Häuschen wie aus lauter Lebkuchen entgegen: Zarte Lichterketten rahmten Fenster, Tür und Dach. Neugierig drückte er ein wenig nach und trat ein. Dennoch hielt ein gewisser Respekt ihn dem Hause fern; schließlich erschien es bewohnt. Stärker erregte das Dunkel dahinter seine Sinne.

 

Vorsichtig tappte er, an dem Leuchtkörper vorbei, ins Unfassbare. Ein zweites Tor, kaum beleuchtet, stand offen. Tastend setzte er Schritt vor Schritt, als plötzlich aus dem Hinterhalt ein Pelz wie ein Sack über seinen Kopf geworfen wurde, der sich schnell schloss und fest um seinen Hals gepresst wurde. Panik befiel ihn. Er atmete, als wäre es das letzte Mal. Doch in dem weichen Pelz hing ein betörender weiblicher Duft, der ihn ein wenig entspannte, seine Angst aber in Erregung umwandelte. Er ließ sich vorwärts stoßen ins Unbekannte, gehorchte, wenn auch zitternd, der fremden Frauenstimme. Über einer Stufe geriet er ins Straucheln und stürzte zu Boden.

Die Hände ausgestreckt, fühlte er schmerzhaft, wie sie kalt und fest auf den Boden gepresst wurden. Der Pelz wurde weggezogen, und er sah rote, sehr hohe Pumps auf seinen Händen. Langsam hob er den Blick ..., über die schönen Füße, über den dunklen Saum eines sich in der Höhe zu schlanker Linie entwickelnden Nerzmantels, der so wie eine Säule das Kapitel auf dem geschlossenen Kragen den edlen Kopf einer Dame hielt. Ihr schwarzes Haar war elegant hochgesteckt, ihre Lippen dunkel getönt und konturiert, ihre Augen funkelnd. Wie eine Siegerin, wie ein Racheengel ... oder wie eine strafende Göttin stand sie über ihm.

 

Geblendet lag er da ... sekundenlang, bis sie einen Schritt zurücktrat und mit leise fordernder Stimme ihm befahl, sich auszuziehen. Verwirrt lehnte er ab; wieso sollte er sich hier, vor einer fremden Frau entblößen?! Ihr Ton jedoch hatte etwas Gebieterisches und wurde beim zweiten Mal noch eindringlicher, und als eine kräftige Ohrfeige seine Wange zum Glühen gebracht hatte, waren ihm die Gegenargumente entfallen. Zögernd gab er nach.

 

Er fühlte sich beschämt, so nackt vor der best angezogenen Dame zu stehen; er hielt bedeckt, was er bedecken konnte. Aus der Manteltasche zog sie ein feines Lederband, schob seine Hände beiseite und nahm sich genau das, was er verbergen wollte. Wenn das kleine erregte Ding ihr bis jetzt noch nicht gehört hatte, jetzt legte sie ihm die Leine an. Sie schnürte es gekonnt ein, bis diesem nichts anderes übrig blieb, als sich erregt aufzuplustern, doch es half nichts; die Schnur grub sich nur tiefer ein.

 

Sie zog ihn auf einen lederbezogenen Hocker, der unter einem schwarzen Holztor stand, ließ ihn sich in einen breiten Riemen zurücklehnen und führte seine Füße in hoch hängende Schlingen, die seine Beine weit auseinander spreizten. Er wusste nicht, warum er so willenlos folgte. War es ihre betörend schöne Erscheinung, ihr sanft schmeichelnder Pelz? Oder war es die aussichtslose Lage, in der er sich befand?

 

Vor allem fühlte er sich schuldig und war irgendwie bereit zu büßen. Schließlich war er der Grenzübertreter, der Eindringling, Verletzer privater Sphäre. Wie hätte er ihr da noch verbieten können, seine Privatsphäre zu verletzen?

Sie nannte ihn einen Hund, einen streunenden, viel zu neugierigen Hund, und sie wusste auch schon, wie ein solcher zu belehren sei: Sie griff nach einer leuchtend roten, mehrschwänzigen Peitsche, ließ sie drohend durch die Hand gleiten ... und bot damit im schwarz glänzenden Nerzmantel ein aufregendstes Bild einer schwarzen Herrin.

 

Sie ließ die Peitsche zunächst milde gegen seinen gespannten Hoden klatschen, was ihm leichte Schmerzen, aber vor allem Angst machte. Schließlich holte sie weit aus, peitschte seine nackten weißen Schenkel und seine Brust. Sie stand zwischen seinen Beinen wie eine Göttin über dem Opfertier, und er ... er konnte seinen wehrlosen nackten Körper nicht einmal zusammenziehen, um ihn zu schützen oder seine Blöße zu bedecken. Wehrlos und weit geöffnet lag er vor ihr und empfing die Strafe. Und seltsam: je mehr sie schlug, desto mehr streckte er seine Brust ihr entgegen, um so mehr verlangte er nach ihren Schlägen, wollte die roten feinen Lederriemen scharf an seinen Brustspitzen fühlen, wollte die gesammelte Kraft des roten Bündels schmerzhaft auf seiner Haut fühlen. Er sah in ihr schönes Gesicht, in ihre Augen, auf ihren Mund. Er schaute sie an wie ein Süchtiger, verzehrend und flehend.

 

Nun hielt sie inne, trat ganz nah heran; er fühlte den weichen Pelz an seinen Genitalien. Langsam bewegte sie den Pelz ... auf und ab ..., als wollte sie ihn entschädigen für die durchlittenen Schmerzen, strich über seinen zum Platzen erregten Schwanz, über seinen prallen abgebundenen Hoden, über seinen Anus. Unwillkürlich rutschte er ihr entgegen; er hatte selbst nicht geahnt, dass er in dieser Lage eine Möglichkeit dazu gehabt hätte. Sie schlug den Mantel ein wenig zurück, offenbarte ihre Beine in schwarzen Seidenstrümpfen und drückte sie sanft gegen seine erregte Mitte – er versank in Seligkeit und schloss die Augen.

 

Ein scharfer Schmerz riss ihn heraus. Mit langen, sehr langen, schwarzen (!) Fingernägeln hatte sie seine Brustspitzen ergriffen und hielt sie fest. Sie begann, sie langsam zwischen den Nägeln zu zerreiben, beugte sich über ihn, um genüsslich seine Qualen zu beobachten. Ihr Gesicht näherte sich dem seinen, sie schaute ihm tief in die Augen, mit teuflischem Lächeln. Ganz nah über ihm befahl sie leise, mit schmeichelnder Stimme, den Mund zu öffnen. Er gehorchte ...; winselnd und doch lüstern streckte er ihr den halboffenen Mund entgegen ..., als sich ein weißer schaumiger Tropfen von ihren dunklen, scharf gezeichneten Lippen löste und sich auf seine Zunge legte. -- Er erstarrte.

Er erstarrte vor Scham und Demütigung. Besiegt und erniedrigt sank er zurück und schloss langsam die Lippen, und obwohl er sich gedemütigt fühlte und missbraucht, bewahrte er den Tropfen für endlose Sekunden auf wie einen Schatz. Er schmeckte ihren Speichel und atmete ihren Duft, er hing noch immer an ihren triumphierenden Augen, und als er endlich bedachtsam schluckte (denn nichts anderes hätte er tun können in dieser Situation ... und nichts anderes wollte er jetzt), als er den Lauf des Tropfens in seinem Inneren zu fühlen meinte, rang sich in einer Mischung aus Qual und Verlangen ein Stöhnen, ein gepresster Schrei aus seiner Brust: Ich liebe Sie! 

 

Der weiche Pelz strich über seinen Leib, als sie sich erhob. Sie löste ihn aus seiner seligen Gefangenschaft und führte ihn in den Nebenraum.

 

Ein hellbrauner Nerz lag da über einen hohen Stuhl gebreitet, und er folgte gern der Aufforderung, sich darauf zu legen. Sein nackter Rücken schmiegte sich wohlig in den weichen Pelz, als er plötzlich erschrak: Die Decke spiegelte seinen Leib; lüstern und hässlich lag das weiße Fleisch im gleißenden Licht.

 

Fast wie ein Voyeur eine fremde Szene beobachtet, sah er, wie sich die elegante Frau im tiefschwarzen Nerz zwischen seine weißen Beine zwängte, wie sie sie auseinander drückte. Er sah ihr schwarzes hochgestecktes Haar von oben, die Haarspange, ihren glänzenden Pelz, und er beobachtete seltsam fern, wie schwarze Fingernägel seine hellen Schenkel in eine ihr beliebige Position dirigierten. Seine Arme umschloss sie seitlich mit dem braunen Pelz, fixierte sie so, dass er sich zwar daraus hätte befreien können, sich aber nicht hätte befreien wollen. -- Und ehe er sich’s versah, befand er sich in einer ähnlich wehrlosen Situation wie zuvor: Seine Unterschenkel lagen auf hohen Schalen, weit gespreizt, und die Schöne stand dazwischen, ganz nah an seinem Heiligsten. Und sie hätte alles damit tun können, das fühlte er.

 

Ein Zittern überkam ihn: ein Verlangen ... aber auch eine Furcht. Sekunden später fühlte er ihre scharfen Nägel. Sie gruben sich in seinen Schwanz, in die Eichel, sie ergriffen das zarte Bändchen ... und quälten es lange. Er winselte, er fürchtete um alles, er hatte Angst. Sie höhnte, wozu er den wohl noch brauchen würde, und versenkte den Nagel ihres Zeigefingers vollständig in seiner Eichel. Er traute seinen Augen nicht und rang verzweifelt um Gnade. -- Wie von einer Schar aggressiver schwarzer Käfer umringt, die beständig auf ihn einstachen, an ihm nagten, sich in ihn verbissen, so sah er seinen Schwanz in ihrer Gewalt.

 

Doch nach endlos durchlittenen Torturen ließ sie plötzlich ab, tropfte ihren Speichel auf die Eichel – ganz nah sah er ihren schönen Mund über dem geschundenen Schwanz --, und als wollte sie ihn heilen und salben, verrieb sie die reichliche Flüssigkeit; sie cremte ihn regelrecht ein.

 

Sie beschrieb ihm, wie der Besitz ergreifende Speichel jetzt einziehen werde in sein Genital – unauslöschlich, wie er künftig besetzt sei von ihr, und nur von ihr, wie er verlangen werde nach ihr, weil er ab jetzt ihr gehöre... . – Wie gut verstand er sie, wie gut!

 

Nun griff sie fester zu, massierte den Erregten, bis er erkannte, was seine Aufgabe war. Sie führte seine Hand dorthin, damit diese fortfahre, und stellte sich ihm an die Seite. Sie legte den Arm um seinen Kopf, hielt ihn fest umschlungen im schwarzen Nerz, während ihre andere Hand seine Brustspitzen erneut bearbeitete. Ab und an gab sie dem wehrlosen Gesicht in ihrem Arm ein paar Ohrfeigen.

 

Eine wahnsinnige Mischung der Gefühle trieb ihn in die höchste Erregung: Eingebettet in weichen Pelz, umschlungen von der schönsten Frau, ganz nah ihrem Gesicht, ihren Augen, ihrem Mund ..., eingesperrt aber, eingeklemmt in ihren starken und doch so pelzsanften Arm ..., gleichzeitig einer erregenden zarten Tortur der Brust ausgeliefert, ihren teuflisch scharfen Nägeln ..., unterbrochen von demütigenden kräftigen Ohrfeigen ... – wer hätte da widerstehen können?! Er explodierte über jede Grenze hinaus ... und schrie ihr, jetzt nicht mehr gedämpft und gepresst, seine absolute Liebe entgegen.

 

Er gehörte ihr, nur noch IHR.